10 | 12 | 2018

Die Geschichte von Royal Enfield und der Bullet
 


 

Die Geschichte der ältesten Motorradmarke der Welt beginnt im mittelenglischen Redditch. Die dort angesiedelte Townsend Needel Company und die Enfield Rifle Company produzierten ab 1895 unter dem Namen Royal Enfield Fahrräder.

1898 beginnt die Herstellung motorisierter Fahrzeuge und im Jahre 1901 ging das erste Motorrad in Serie. Damit ist Royal Enfield der älteste noch produzierende Motorradhersteller der Welt

Fortschrittliche Entwicklungen und solide Verarbeitung begründeten den Ruf Royal Enfields als Hersteller guter Motorräder. Als etablierter Bauteileentwickler belieferte man andere Marken und so bremsten unter anderem die legendären Brough Superior Maschinen mit Bremsen von Enfield. Die eigenen Maschinen wurden konsequent weiterentwickelt, ab den 20er Jahren entstanden sportliche Einzylinder, robuste Alltagsmotorräder aller Hubraumklassen, sowie große V-Twins als leistungsstarke Gespannmaschinen.

1933 produzierte Royal Enfield die ersten Maschinen mit dem Namen Bullet, sportliche Leichtmetalleinzylinder mit 3- und 4-Ventiltechnik. Diese Maschinen begründeten eine, in der Motorradhistorie, einzigartige Erfolgsgeschichte. 

Der 2.Weltkrieg brachte große Militäraufträge und man produzierte hauptsächlich 350er Kradmeldermaschinen, Stromerzeuger und das 125er Leichtmotorrad Flying Flea, das für den Fallschirmabwurf konstruiert wurde.

Nach Ende des Krieges entstanden zwei richtungsweisende Maschinentypen, die den Weg der Marke für die nächsten Jahrzehnte prägen sollten, der Parallelzweizylinder Twin 500 und ein neuer Einzylinder mit der Traditionsnamen Bullet.

Revolutionär waren 1948 eine serienmäßige gefederte Hinterradschwinge, die Teleskopgabel, Luftfilterung und das für die Folgejahre wichtige Baukastenprinzip. Die gemeinsame Nutzung gleicher Komponenten an Motor, Getriebe und Fahrwerk erleichterte die Ersatzteilversorgung und ist heute noch eine große Freude für jeden Restaurator einer alten Royal Enfield.
Schon ab Produktionsbeginn verschaffte sich die 350er Bullet mit ihrer robusten und durchdachten Konstruktion , die sie in vielen Wettbewerben erfolgreich unter Beweis stellen konnte, einen erstklassigen Ruf. Die Motorkonstruktion war so stabil, dass im Verlauf der 50er Jahre eine 500cc Version folgte. Die Qualitäten der Bullet überzeugten auch die indische Regierung, die1954 die ersten 800 Bullets für den Militärdienst an der pakistanischen Grenze orderten. Die Maschinen waren so zuverlässig, dass weitere Bestellungen folgten. Daraufhin entschied man in England ein Zweitwerk in Indien zu errichten.
Ab 1955 begann Enfield India Ltd mit der Produktion der 350cc Bullet für den indischen Markt.

Das Stammwerk baute die Bullet weiter, doch für Europa und Amerika konzentrierte man sich auf die Weiterentwicklung der Twins. 1953 entwickelte Royal Enfield den größten britischen Paralleltwin, die 700er Meteor. Basierend auf diesem Motor entstanden in den Sechzigern die Modellreihen Constellation und Interceptor, die mit Leistungen von über 50 PS und Spitzengeschwindigkeiten von 185 km/h damals die schnellsten Serienmaschinen auf dem Markt waren.
Die letzte Modellvariante, die InterceptorII mit 750cc gilt in Fachkreisen als der beste britische Twin. Maschinen dieser Typen sind heute begehrte Sammlerstücke und erzielen Spitzenpreise.

Viele britische Motorradmarken gingen mit Abflauen des Motorradbooms unter und so endete auch im Jahre 1970 in Redditch die Motorradproduktion.

Doch die Geschichte war, im Gegensatz zu anderen Motorradmarken, damit nicht zu Ende.

 
Weitentfernt von allen Trends in Europa hielt man im indischen Madras weiterhin an der bewährten Konstruktion fest. Die Bullet war dort ein unverzichtbarer Teil des Lebens geworden. Sie fährt überall, in Wüsten, im Dschungel und bis auf die höchsten Pässe des Himalaya. Sie ist Alltagsfahrzeug und gleichzeitig auch ein Prestigeobjekt, da sie ein vielfaches an Wert besitzt wie japanische Importfahrzeuge. Im Laufe der Jahre flossen technische Verbesserungen mit ein, doch vieles ,wie z.B. die Linierung der Tanks entsteht unverändert in Handarbeit. Die Bullet ist weiterhin bei Behörden und im Alltagsverkehr im Einsatz und hat sich inzwischen weltweit über 1 Million Mal verkauft. Seit Anfang der 90er Jahre ist die 500cc Bullet, vor allem für den Export in über 20 Länder der Erde in das Modellprogramm zurückgekehrt und wird mit der selben Liebe zum Detail in der Form der 1955er Version gebaut.
1999 begann mit Übernahme von Enfield India durch den Eicher Konzern die Überarbeitung der bestehenden Produktion, wesentliche Qualitätsverbesserungen wie z.B. Edelstahlspeichen, pulverbeschichtete Rahmen und die Umstellung auf metrische Schrauben machten die Maschinen weiter konkurenzfähig. Die Betreuung der technischen Weiterentwicklung durch den Schweizer Tuner Fritz Egli optimierte die Motorenproduktion. Ab 2001 gab es die Bullet auch mit E-Starter und seit 2003 mit dem, in England, neuentwickelten linksgeschalteten 5-Gang Getriebe.
Mit Beginn des neuen Jahrtausends produziert man in Madras wieder unter dem Namen Royal Enfield.

Mit Einführung der Euro3 Abgasnorm endete 2007  die Auslieferung der Vergaserbullet mit PreUnit Motor nach Europa.
Mit der neuen Bullet  mit Blockmotor läuft seit 2009 die erste Neukonstruktion von Royal Enfield India vom Band.
Sie hat den Spagat zwischen der klassischen Optik und den technischen Anforderungen des neuen Jahrtausends geschafft.
Am 31.März 2009 lief in Madras nach 55jähriger Bauzeit die letzte Prunit Bullet vom Band.
Ab 1.April 2009 werden nun alle 350er und 500er Bullets mit dem Blockmotor ausgeliefert.
 
Die Bullet erfreut sich auch im 21.Jahrhundert einer großen Nachfrage und so baute Royal Enfield in der Rekordzeit von 11 Monaten ein neues Werk in Chennai . Durch dieses moderne Werk wurde 2013 die Produktion auf 150000 Bullets erhöht.
Royal Enfield steigerte seine  Produktion 2017 auf über 800000 Machinen.
 
Royal Enfield hat inzwischen weitere Produktionsstätten gebaut, da die Kapazitätsgrenze der bestehenden Werke inzwischen erreicht ist.

Der Caferacer Continental GT 535 ist ein Beweis der modernen Fertigungsmethoden der neuen Fabrik.
Eine robotergestützte Lackier- und Beschichtungsanlage bringt die Qualität der Produkte auf internationalen Standart.

Mit dem Kauf von Harris Produktions in England sowie dem Aufbau eines Development Centers in den Midlands kehrt die Marke wieder in die alte Heimat zurück.
 
Sicher ist der Start neuer Modellreihe mit einem neu konstruierten OHC Einzylindermotor
Das erste Modell kam nun zum Frühjahr 2018 in Form der neuen Enduro Himalayan.
Auch haben alle Exportmaschinen  ABS und erfüllen die aktuelle Euro 4 Abgasnorm
 
Highlight 2017 war auf der Eigma in Mailand die Vorstellung der langersehnten neuen 650er Twins.
Diese sollen zum Frühjahr 2019  auf den deutschen Markt kommen.
 
Mit diesen neuen Modellen, der Himalayan und den Twins geht Royal Enfield neue Wege und erschließt sich weltweit neue Kundenkreise .
 
Die bewährten Bullets führen die Linie, der seit 1933 gebauten Bulletreihe konsequent weiter, somit bleibt die Bullet das am längsten gebaute Serienmotorrad der Welt.
Kaum eine Marke kann auf eine über 110 jährige Tradition und kein Motorrad auf eine so ungebrochene über 70 jährige Produktionszeit verweisen.

Royal Enfield – The Motorcycle that created its own Legend